Closing Line Value (CLV) gehört zu den wenigen Kennzahlen, mit denen du erkennen kannst, ob deine Wettentscheidungen langfristig den Markt schlagen – statt nur kurzfristig zu gewinnen oder zu verlieren. Vereinfacht gesagt vergleicht CLV die Quote, die du gespielt hast, mit der Closing Line (dem finalen Marktpreis kurz vor Spielbeginn). Wenn du regelmässig bessere Quoten bekommst als der Schlusskurs, triffst du in der Regel gute Entscheidungen, selbst wenn die Varianz deine Ergebnisse über kurze Zeiträume schwanken lässt.
CLV misst, wie dein Einstiegspreis im Vergleich zum finalen Konsenspreis des Marktes steht. In den meisten grossen Märkten wie Fussball, Basketball, Tennis oder NHL wird die Closing Line stark durch professionelle Einsätze, Verletzungs-News und grosse Wettvolumen beeinflusst. Genau deshalb ist sie ein sinnvoller Referenzwert: Wenn du sie regelmässig schlägst, liegst du oft auf der richtigen Seite von Informationen und Wahrscheinlichkeiten.
Im Jahr 2026 wird CLV von vielen professionellen Wettern genutzt, weil es weniger „rauschig“ ist als ROI über kurze Zeiträume. ROI kann nach einem glücklichen Monat extrem gut aussehen und nach einer Pechsträhne schlecht – selbst wenn dein Ansatz solide ist. CLV ist dagegen eine Prozess-Kennzahl: Sie bewertet die Qualität deiner Quote, nicht das Endergebnis eines Matches.
Das ist auch deshalb relevant, weil viele Buchmacher und Börsen ihre Margen und Limits anhand von Signalen anpassen, die auf erfahrene Wetter hindeuten. Wer in effizienten Märkten konstant starken CLV erzielt, wird oft schneller limitiert als jemand, der denselben Gewinn eher durch Zufall erzielt. Wenn du CLV verfolgst, kannst du besser einschätzen, ob dein Vorteil real ist und ob er voraussichtlich bestehen bleibt.
Die Closing Line ist die letzte breit verfügbare Quote vor Anpfiff (oder vor dem ersten Aufschlag, Tip-off, Bully). Sie ist nicht immer die „wahre“ Wahrscheinlichkeit, aber in Märkten mit hoher Liquidität oft die beste öffentlich sichtbare Schätzung. Genau deshalb ist CLV aussagekräftig: Er vergleicht deine Entscheidung mit einem sehr informierten Referenzpunkt.
Die Markteffizienz unterscheidet sich je nach Sport und Wettbewerb. Quoten für Premier-League-Spiele sind in der Regel effizienter als für niedrigere Ligen, und NBA-Hauptlinien sind meist effizienter als Nischen-Player-Props. In weniger effizienten Märkten kann CLV ebenfalls nützlich sein, ist aber schwieriger zu interpretieren, weil der Schlusskurs durch geringes Volumen oder durch einseitiges Publikumsverhalten verzerrt werden kann.
Timing ist entscheidend. Frühzeitige Wetter können Closing Lines schlagen, indem sie schneller auf Teamnews reagieren oder Modellvorteile nutzen, bevor der Markt nachzieht. Späte Wetter können ebenfalls CLV erzielen, wenn sie Überreaktionen erkennen oder wenn die Schlussbewegung primär durch die breite Masse ausgelöst wird. Es geht nicht darum, dass „früh immer besser“ ist – sondern darum, dass eine bessere Quote als die Closing Line besser ist.
Es gibt zwei gängige Wege, CLV auszudrücken: (1) als Quotendifferenz und (2) als Differenz der implizierten Wahrscheinlichkeit. Die Quotendifferenz ist einfacher zu tracken, aber die implizite Wahrscheinlichkeit zeigt den Wert klarer, weil sie den Vergleich normalisiert. In beiden Fällen brauchst du deine Wettquote und die Closing Quote für denselben Markt und dieselbe Auswahl.
Bei Dezimalquoten ist die implizite Wahrscheinlichkeit einfach 1 / Quote. Beispiel: Du spielst 2,10 (implizite Wahrscheinlichkeit 47,62%). Die Closing Quote liegt bei 1,95 (implizite Wahrscheinlichkeit 51,28%). Dein CLV ist positiv, weil deine Quote eine niedrigere Wahrscheinlichkeit impliziert als der Markt später bewertet. Du hast also einen besseren Preis als die Closing Line bekommen.
Bei amerikanischen Quoten solltest du zuerst in implizite Wahrscheinlichkeiten umrechnen (oder in Dezimalquoten konvertieren). Wichtig ist die Konsistenz: Nutze eine Methode für dein gesamtes Tracking. Viele Wetter verfolgen beides – die Quotendifferenz als schnelle Übersicht und die implizite Wahrscheinlichkeitsdifferenz für die genauere Analyse.
Beispiel 1 (Fussball Moneyline): Du wettest am Dienstag auf Team A zu 2,20. Bis Samstag bestätigt sich, dass der Stürmer des Gegners verletzt ausfällt, und die Closing Quote für Team A sinkt auf 2,00. Dein CLV ist positiv: Du hast 2,20 bekommen, obwohl der Markt bei 2,00 schliesst. In impliziten Wahrscheinlichkeiten entspricht das 45,45% gegenüber 50,00% – also ein Vorteil von +4,55 Prozentpunkten.
Beispiel 2 (Asian Handicap / Spread): Du spielst früh -0,25 zu 1,95. Der Markt schliesst bei -0,5 zu 1,93. Auch wenn die Quote ähnlich ist, hat sich die Linie verschoben: Du besitzt die bessere Zahl (-0,25 statt -0,5). Das ist „Line-CLV“ statt reinem Odds-CLV – und bei Spread-Wetten oft sogar wichtiger als kleine Preisunterschiede.
Beispiel 3 (NBA Totals): Du wettest morgens Over 221,5 zu 1,91. Der Schluss-Total liegt bei 224,0 zu 1,91, nachdem News über höheres Tempo und das Fehlen eines defensiven Starters bekannt werden. Auch wenn die Quote gleich bleibt, hast du die Zahl um 2,5 Punkte geschlagen. Viele erfahrene Totals-Wetter werten das als sehr starken CLV, weil Closing Totals stark durch professionelles Volumen geprägt sind.

Damit CLV wirklich aussagekräftig ist, solltest du ihn über eine grosse Stichprobe verfolgen. Einige wenige Wetten sagen kaum etwas aus, weil zufällige Marktbewegungen CLV in beide Richtungen verzerren können. Viele ernsthafte Wetter werten CLV erst nach mindestens 200–500 Wetten pro Marktart aus und segmentieren dann nach Sport, Liga und Wettkategorie (Hauptlinien vs Props).
Interpretiere CLV immer im Kontext von Liquidität und Markttyp. In Top-Ligen im Fussball oder bei NBA-Hauptmärkten ist starker CLV ein besonders klares Signal. In kleinen Nischenmärkten kann guter CLV ebenfalls ein Vorteil sein, aber die Closing Line ist dort manchmal weniger stabil, weil der Markt auf geringes Volumen reagieren kann.
CLV hilft dir, deinen Prozess zu verbessern. Wenn dein ROI flach ist, dein CLV aber konstant positiv, kann dein Vorteil real sein und sich langfristig im Ergebnis zeigen. Wenn dein ROI positiv ist, dein CLV aber konstant negativ, läufst du möglicherweise über Erwartung und solltest Auswahl, Timing oder Preisvergleich kritisch prüfen.
Ein brauchbarer Workflow ist: Wettzeit, Buchmacher/Börse, Quote, Linie, Einsatz sowie Closing Quote/Linie aus einer Referenzquelle notieren. Viele Wetter nehmen als Referenz die Closing Line einer grossen Börse oder eines besonders liquiditätsstarken Buchmachers. Entscheidend ist eine konsistente Referenz, nicht absolute Perfektion.
Benchmarks hängen vom Markt ab. In effizienten Fussball- und NBA-Märkten kann bereits ein kleiner durchschnittlicher Vorteil in der impliziten Wahrscheinlichkeit (zum Beispiel +0,5% bis +1,5% gegenüber der Closing Line) über hohe Stückzahlen relevant sein. In weniger effizienten Märkten sind grössere Schwankungen möglich, aber du musst prüfen, ob die Closing Line dort wirklich ein verlässlicher Massstab ist.
Warnsignale sind: konstant negativer CLV bei gleichzeitiger Abhängigkeit von „heissen Serien“, grosse Unterschiede zwischen deiner Closing-Referenz und dem Ort, an dem du tatsächlich wettest, oder das blinde Hinterherlaufen von Steam Moves ohne Verständnis für den Grund der Bewegung. Ein weiterer häufiger Fehler ist es, Line Value bei Spreads und Totals zu ignorieren. In diesen Märkten ist das Schlagen der Zahl oft wichtiger als ein kleiner Preisvorteil.